Im Gespräch: Chapeau Claque

CHAPEAU CLAQUE existiert mittlerweile seit über 6 Jahren. Die ersten 3 Alben haben wir gemeinsam mit dem kleinen Erfurter Label UNA Music veröffentlicht. Mittlerweile ist es jedoch so, dass vor allem die kleineren Labels den Wandel des digitalen Zeitalters und den Einbruch der Plattenverkäufe zu spüren bekommen. Es dauert immer länger bis die Vorschüsse, die für die Albumproduktionen an uns Künstler ausgezahlt wurden, durch die CD-Verkäufe wieder gedeckt werden können. Oft kann das Jahre dauern. Und viele kleine Labels können sich dadurch nicht mehr erlauben in Vorleistung für neue Produktionen zu gehen. Für die Künstler kann das vielerlei Auswirkungen haben. Entweder sie ergeben sich dieser Tatsache und schmeissen, ohne Label und Finanzierung im Rücken, das Handtuch, oder sie machen sich dem Wandel der Zeit zunutze und nehmen die Finanzierung mithilfe solcher digitalen Netzwerke wie STARTNEXT selbst in die Hand. Nachdem wir mit einigen Majorlabels mehr oder weniger erfolgreiche Verhandlungen geführt haben, und uns eine Ahnung vom marktorientierten Musikbusiness verschaffen konnten, haben wir uns ganz bewusst entschieden nicht auf diesen D-Zug aufzuspringen. Wir wollen nicht in eine Form gezwängt, Lieder nach Hitformeln fabrizieren, um effektiver und markttauglicher verwertbar zu sein. Solange kein vertrauenswürdiges Musiklabel in Sicht ist, dass zu uns und unseren Vorstellungen passt, werden wir unser “Baby” so gut es geht selber schaukeln. Durch die unabhängige und alternative Finanzierungsform des Crowdfundings versprechen wir uns Selbstbestimmtheit und kreative Freiheit. Außerdem macht es Spaß und belebt das Verhältnis von Rezipienten und Produzenten.
Regel Nummer 1: Wiege deine Leidenschaft zur Musik nie gegen Geld auf. Wenn man anfangen würde jede Stunde, die man in die Musik steckt, in Geld umzurechnen, dann würden wohl viele Musiker das Musizieren aufgeben. Es geht aber glücklicherweise um etwas Größeres: eine Vision. Für mich ist CHAPEAU CLAQUE viel weniger ein Beruf als meine Leidenschaft, mein Ventil, eine Form mich auszudrücken, ja fast schon eine kreative Plattform bei der gemeinsam mit Musikern, Kreativen, Künstlern und natürlich dem Publikum selbst, etwas ganz Eigenes entsteht, dass alle unterm Strich bereichert. Dass man damit auch noch Geld verdienen kann, habe ich lange Zeit als positiven Nebeneffekt empfunden. Natürlich kommt auch der Moment, an dem es in Arbeit umschlägt, einen Nerven rauben kann und man sich ernsthaft fragen muss, wovon man eines Tages leben will. Wir alle haben glücklicherweise verschiedene berufliche Standbeine, so dass niemand von uns auf einen schnellen profitorientierten Erfolg mit CHAPEAU CLAQUE angewiesen ist. Und trotzdem spielt Geld auch keine unbedeutende Rolle. Jeder von uns muss seine Lebenserhaltungskosten (was für ein schreckliches Wort ;-) am Ende des Monats irgendwie stemmen. Vielleicht kann man es sich wie ein Jonglageakt zwischen Leidenschaft und Brötchenbacken vorstellen. Solange es unsere Situation zulässt, werden wir jedoch sehr viel daran setzen CHAPEAU CLAQUE auf ein Niveau zu heben, dass uns finanziell wie auch künstlerisch auf Dauer glücklich macht!
Zwiegespalten.Auf der einen Seite verbreitet sich die Musik durch Filesharing und digitale Formate wie Spotify, Youtube und Soundcloud extrem schnell, was ja auch im Sinne der Musiker ist und sich auch auf die Zahlen der Konzertbesucher positiv auswirkt.Auf der anderen Seite bringt diese Thematik ein Konsumverhalten und eine Flut von Überangeboten mit sich, die ich nicht mehr gutheiße. Weil alles immer und überall am besten auch kostenfrei und sofort zugänglich ist, leidet die Wertschätzung für die Kunst und die Macher hinter der Kunst darunter. Die Leute vergessen, das viel Arbeit dahinter steckt und Menschen die bestenfalls davon leben. Die Reaktion der GEMA mit Sperrungen etlicher Youtubevideos ist e i n Weg dieser Problematik zu begegnen. Irgendwie leider aber auch uncool.Vielmehr sollte sich die schläfrige Musikindustrie klug und flexibel an den schnelllebigen modernen Wandel anpassen, und auf eine verbesserte Wertschätzung in der Konsummentalität ihrer Kunden hinarbeiten.
Geld muss nicht unbedingt ein großes Hindernis darstellen. Es gibt verschiedene Wege eine Band zum Erfolg zu führen. Selbstverständlich kann man durch Geld den Erfolgsprozess enorm erleichtern und beschleunigen. Man kann sich mit Geld z.B. eine gute Promotion fürs Album leisten oder in Musikzeitschriften und Werbungen einkaufen. Je mehr Leute man damit erreicht, desto schneller klappt es mit dem Erfolg. Viel wesentlicher und langatmiger ist allerdings der Inhalt! Wenn die Musik nicht wirklich gut und originell ist, oder das Gesamtpaket einfach nicht überzeugend genug, wird auch noch so viel Geld auf Dauer nichts nützen. Wir als Band setzten auf den Weg des “organischen Wachstums”. Dran bleiben, gute Musik machen, nicht aus der Bahn werfen lassen, weiter gute Musik machen.Und peu á peu werden die Konzerte von Jahr zu Jahr voller. Und vielleicht hat man eines Tages das große Glück von der richtigen Plattenfirma Unterstützung zu bekommen. Bis es soweit ist kann man sich jedoch selber pushen, und über Plattformen wie STARTNEXT, Visionbakery und Kickstarter kleinere Produktionen mithilfe seiner Fans finanzieren. Mit originellen Low-Budgetvideos lässt sich eine Menge Geld sparen und trotzdem allerhand erreichen. Für unser Musikvideo ”Pandora kiss Miss Tragedy” hatten wir gerade mal 5000€ zur Verfügung. Durch ein hochmotiviertes Team, überzeugten Sponsoren, freiwilligen Statisten und einer hervorrangenden Vorbereitung, konnten wir ein fantastisches Video drehen, für das andere vielleicht das 10-fache ausgegeben hätten.
Mit dem neuen Album wollen wir ein neues Kapitel in der CHAPEAU CLAQUE Ära einläuten. Nicht nur die selbstbestimmte Produktionsweise unterscheidet das Album von seinen Vorgängern, sondern auch die musikalische Herangehensweise. Wir haben viel herumexperimentiert, im Studio, im Proberaum und Zuhause, um schliesslich einen, für uns neuen, Sound zu kreieren. Inhaltlich soll es Energie streuen, essenzielle Frage aufwerfen, spannende Bilder aufbauen. Mehr soll an dieser Stelle noch nicht verraten werden.
Das ändert sich permanent. Manchmal gibt es eine ganz klare Idee, die in relativ kurzer Zeit knackig auf den Punkt gebracht wird. Ein andermal überarbeite ich einen Song etliche Male, schreibe monatelang am Text herum, suche Sounds, und weiss dann immer noch nicht, ob es das alles besser gemacht hat. Meistens entstehen die Melodien zuerst am Klavier, und werden später beim Arrangieren im Proberaum ausgefeilt. Peer, unser Pianist, arbeitet die Songs dann weiter aus, bis sie eine runde Form haben. Es kann passieren, dass wir alles wieder über Bord werfen. Manchmal gibt es 3 verschiedene Versionen von einem Song. Man muss viele Entscheidungen treffen, es gibt immer viele Meinungen. Manchmal ist das zermürbend, doch meistens lohnt es sich so lange zu suchen, bis man den Kern des Liedes ins Schwarze getroffen hat.
1000 Dank an Alle, die uns bei unserer Crowdfundingaktion auf STARTNEXT unterstützen und dazu beitragen, dass das neue Album und Musikvideo keine sehnsüchtige Utopie bleiben müssen. Für jeden Supporter haben wir uns ein tolles Dankeschön überlegt. Vom fertigen und handsignierten Album bis zum kompletten Konzert ist fast alles dabei!
Am besten ihr schaut es euch selber an auf STARTNEXT: http://www.startnext.de/chapeau-claque
